(*von Charlott Menke) Man mag es kaum glauben, aber was sich die GRÜNEN (Bündnis 90 Die Grünen) seit einigen Monaten auf FACEBOOK erlauben, sprengt die aktuelle grüne Präsenz und die heutige Vereidigung des ersten grünen Ministerpräsidenten bei weitem. So viel Durcheinander auf FACEBOOK hat sich bis jetzt selten jemand geleistet. Überraschend dabei, dass sich gerade die GRÜNEN als wahre FACEBOOK Fanatiker erweisen, trotz Datenschutzdebatte aber ohne erkennbare Strategie!

Schauen wir aber noch einmal ein paar Tage zurück

Wir haben euch schon letzte Woche berichtet, dass die Grünen einen neuen Bürgermeister in Uebigau-Wahrenbrück via FACEBOOK-Aufruf suchten. Die Suche allein war schon eine einzige Blamage. Nun ist die Bewerbungsfrist vorbei. Es ist den GRÜNEN aus Wahrenbrück mittlerweile gelungen die Zahl ihrer Fans um unglaubliche 55% zur Vorwoche zu steigern – von 33 auf 51! Und immerhin fanden sich fünf Bürgermeisterkandidaten im Alter von 26 bis 62. Und das komplett ohne Unterstützung anderer „grüner“ FACEBOOK-Gruppen!

Die Bürgermeistersuche der GRÜNEN auf FACEBOOK war keine strategische Glanzleistung (mehr dazu hier). Der Auftritt der gesamten GRÜNEN Partei allerdings zeigt noch viel eindrucksvoller, wie gespalten oder besser planlos die Parteimitglieder in sozialen Netzwerken agieren.

Die GRÜNE Invasion auf FACEBOOK

Welche Strategie verfolgen die GRÜNEN auf FACEBOOK? Eine einfache Frage, welche wir euch nicht beantworten können. Nach mehreren Minuten und unzähligen Seitenaufrufen mussten wir erschreckend feststellen, dass es auf FACEBOOK über 100 verschiedene GRÜNE Fanseiten gibt, die von über 100 verschiedenen Administratoren geleitet werden! Uff – In welche Gruppe sollte man denn da als potentieller Parteianhänger eintreten? Reicht eine, um optimal informiert zu sein? Muss ich Fan aller Seiten werden? Wir wissen es nicht, zumal viele Fanseiten weder die Kommunikation mit ihren Fans pflegen, noch aktiv um neue Fans werben. Einzig die vermeintliche Hauptseite mit 25.000 Fans scheint für uns auf den ersten Blick interessant. Hier geht ganz klar der Überblick verloren und organisiert scheint hier überhaupt nichts und niemand zu sein.

Unter den über 100 Fanseiten findet sich aktuell sogar eine Fanseite für Winfried Kretschmann. Winfried Kretschmann hat bis jetzt 3200 „Gefällt mir“ bekommen. Hier muss man sich dennoch fragen, wie das möglich sein kann. Die GRÜNEN erleben doch zur Zeit einen wahren Aufschwung und die Zahlen ihrer Anhänger steigen stetig. Wie kann er dann nur 3200 Fans für sich begeistern? Gerade als erster GRÜNER Ministerpräsident hat er doch DAS Alleinstellungsmerkmal schlechthin. Mit ein bisschen Marketing kann auch er für sich das enorme Potential von FACEBOOK nutzen, um die  Öffentlichkeit stärker in die Politik mit einzubinden, mit ihr zu kommunizieren und dadurch besser auf die Probleme und Bedürfnisse der baden-württembergischen Bevölkerung eingehen zu können. Aber nein – bisher ist er auch nur einer der vielen hundert Grünen, der über eine FACEBOOK Seite verfügt, aber lässt auch hier in keinerlei Art und Weise erkennen, dass sie angeblich alle an einem Strang ziehen. Immerhin: Im Vergleich zu vielen anderen Fanseiten der GRÜNEN sind 3.200 Fans Spitze.

Wählerstimmen, mit und ohne Datenschutzbestimmungen

Dabei ist dies nicht einmal der eigentliche Kritikpunkt. Es gibt viele Unternehmen, welche noch nach ihrem Weg auf FACEBOOK suchen. Allerdings gibt es nur wenige, welche so konsequent ein soziales Netzwerk bevölkern, an dessen Datenschutzbestimmungen sie seit Monaten starke Kritik üben.

Die GRÜNEN stehen seit vielen Monaten in der Öffentlichkeit konsequent zu ihrer Kritik an FACEBOOK. Das Ziel: FACEBOOK zu mehr Datenschutz zu zwingen und dadurch mehr Wähler für sich zu begeistern. Hierfür richteten sie extra eine weitere Fanpage ein: „FACEBOOK Privacy Control – NOW!“. Natürlich befürworten dies auch Mitglieder anderer Parteien. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) droht sogar mit ihrem Ausstieg aus dem sozialen Netzwerk, wenn FACEBOOK weiterhin so lax mit den privaten Informationen seiner User umgeht und sie angeblich so ohne weiteres an Dritte für Marketingzwecke weiterreicht.

Warum aber sind dann gerade die GRÜNEN auf FACEBOOK so aktiv wie keine andere deutsche Partei? Ob diese Aktivität nun klaren strategischen Handlungsrichtlinien folgt oder nicht, das Ziel scheint klar: Wählerstimmen! Damit widersprechen sie jedoch grundlegend ihrer in der Öffentlichkeit kommunizierten Haltung. Dies ist nicht glaubwürdig und unterstützt das Vertrauen der Fans und Wähler in keinster Weise.

Diese widersprüchlichen Verhaltensweisen der GRÜNEN sollten gemeinsam mit deren FACEBOOK Auftreten schnell korrigiert werden. Wir empfehlen den GRÜNEN, sowie allen anderen Parteien, Unternehmen und Usern:

  • Ein Soziales Netzwerk erst zu analysieren und sich intensiv damit auseinanderzusetzen, bevor man eigene Ziele damit verbindet und „einfach mal loslegt“
  • Eine klare Strategie zu entwickeln und diese gemeinsam umzusetzen
  • und: wer kritisiert, sollte auch nach außen einen einheitlichen, geschlossenen und vor allem transparenten Eindruck erwecken, denn sonst wird er unglaubwürdig.

Dies gilt im übrigen genauso für jedes andere Unternehmen, das in sozialen Netzwerken aktiv ist. Die GRÜNEN wird ihre aktuelle Strategie auf FACEBOOK sicher noch einholen. Wir von social-media-knigge.de greifen solche und vergleichbare Beispiele immer wieder auf, um die Gefahren im Umgang mit dem Social Web aufzuzeigen und Handlungsempfehlungen für einen erfolgreichen Umgang mit FACEBOOK & Co. zu geben.

*Charlott studiert seit 2006 Wirtschaftswissenschaften und hat sich in den letzten Jahren in Richtung Marketing vertieft. Seit geraumer Zeit beschäftigt sie sich nicht nur mit Social Media, sondern interessiert sich ebenfalls für weitere alternative Werbeformen, u.a. Guerilla Marketing. Seit einigen Jahren wurde ihr Hobby, die Fotografie, zum kleinen Nebenverdienst und seit Neustem schreibt sie auch Artikel für social-media-knigge.de.