Diese Snapchat-Strategie geht auf – Im Interview mit Einhorn-Philipp

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Philip Siefer, Mitbegründer des Berliner Kondom-Startups „einhornberlin“, erklärt im Werbeboten-Interview seine Snapchat-Strategie.

Die einhorn-Gründer Waldemar Zeiler (l.) und Philip Siefer

Die einhorn-Gründer Waldemar Zeiler (l.) und Philip Siefer

Das Thema Snapchat wird in der digitalen Welt immer noch heiß diskutiert, doch als Marketing-Plattform steht die App in Deutschland – im Vergleich zu anderen großen Playern wie Facebook oder Google – noch ganz am Anfang, anders als in den USA oder Großbritannien. Hierzulande ist die Plattform derzeit noch ein Hype auf Konferenzen und in Blogs, aber kaum ein Unternehmen hat die Ressourcen, Snapchat mit organischem Content zu bespielen. Anders bei den Einhörnern, die wissen, wie die App funktioniert, welches Potenzial Snapchat bietet und was der grundlegende Unterschied zu anderen Social-Media-Kanälen ist.

Storytelling und Vermittlung neuer Werbebotschaften

„Wir sind ein Unternehmen, das schon immer vom Storytelling und der Identifikation unserer Kunden mit der Brand lebt. Snapchat war daher die perfekte Ergänzung für uns.“, erzählt Philip im Werbeboten-Interview. Die App funktioniert grundlegend anders als bekannte andere Social-Media-Kanäle: Sie fordert ihre Nutzer zum direkten Erstellen von eigenen Inhalten auf, anstatt diese nur zu rezipieren. Der User muss sich deshalb aktiv mit der App auseinandersetzen, um die Möglichkeiten der Plattform zu entdecken. Dasselbe gilt auch für Unternehmen: Werbebotschaften müssen neu gedacht und vermittelt werden.

Philip und Waldemar auf der Plantage in Malaysia

„Snapchat ist die Gründerstory, unser Live-TV-Sender sozusagen. Kein anderer Kanal gibt uns die Möglichkeit, unsere Story so ungefiltert zu erzählen. Man muss nichts bearbeiten oder stellen, unser Content ist spontan und direkt. Die Kommunikation fühlt sich sehr echt an und funktioniert in dieser Form weder auf Instagram noch Facebook.“, so Philip. Der Kontakt zu den Fans sei auf Snapchat viel enger als auf anderen Plattformen. Diese ungeteilte Aufmerksamkeit bekomme man als Brand in anderen sozialen Netzwerken für gewöhnlich nicht zu spüren.

Die Einhörner erreichen mit ihren Snaps bereits vierstellige Viewzahlen, aber auch dieser Erfolg musste zunächst aufgebaut werden. Auf jedem ihrer Kanäle haben die einhorn-Gründer ihr Profilbild geändert und dort ihren Snapcode eingesetz oder Ausschnitte ihrer Snapchat-Story auf Facebook geteilt. Laut Philip waren die Influencer aber sicherlich der größte Hebel: „Jennifer Weist (maerjungfrau) – die Sängerin von Jennifer Rostock – hat beispielsweise über uns gesnappt oder Snapchat-Guru Philipp Steuer (philippsteuer). Das war super, dann erst schossen unsere Abrufzahlen an die Decke.“ Auch mit der BILD haben die beiden bereits zusammengearbeitet, ein Channel-Takeover wurde auf die Beine gestellt.

Authentisch, unterhaltsam und aus dem Bauch heraus

„Bei Social-Media-Plattformen hören wir generell eher auf unser Bauchgefühl. Snapchat fühlt sich für uns einfach sehr richtig an. Die harten Zahlen und Fakten werden dabei erstmal in den Hintergrund gestellt“, so Philipp. Gesnappt wird bei den Einhörnern immer spontan. Die Anzahl der Snaps variiere aber oft. An manchen Tagen sind es 10, an anderen 100.

Die Einhörner teilen also sehr persönliche Inhalte mit ihren Fans, denn die Gründer snappen selbst und bieten ihren Followern somit Insights in den Unternehmensalltag: „Unser Team erzählt jeden Tag eine Geschichte. Wir haben unglaublich viele Geschichten zu erzählen und genau das tun wir auf Snapchat. Wir erzählen unser every day life. Genau das ist es, was gut funktioniert“. Laut Philip sollte Snapchat dabei aber nie zu ernst genommen werden: „Wir machen auch mal Quatsch oder versprechen uns. Snaps sollten nicht 5 Mal aufgenommen werden, nur um alles perfekt darzustellen. Spontan sollten sie sein und lustig, wenn man es kann. Am Ende ist es Authentizität, aber echte und nicht einfach das Wort an die Wand gemalt.“

einhornberlin auf Snapchat

Markenaufbau, statt Kanalaufbau

Philip erzählt uns, dass sie sehr stark an ihrer Brand gearbeitet haben und gar nicht an Social-Media-Kanälen: „Ich habe nie überlegt, wie wir unsere Marke auf Snapchat positionieren müssen bzw. im B2B-Universum oder was einhorn-Employer-Branding ist. Wir sind eine Marke mit einem Namen, die heißt ‚Einhorn’. Wir machen vegane Kondome so fair und nachhaltig wie möglich. Dann gibt es die Geschichte dazu, warum wir diese Mission verfolgen und warum wir das weiterhin so machen werden.“

Wenn bei den Einhörnern mit Influencern zusammengearbeitet wird, dann auch nur unter einer Bedingung: volle Identifikation mit der Marke. „Das, was wir machen, ist Produkte zur Verfügung zu stellen, sonst nichts. Und dann nur, wenn diejenige Person auch wirklich hinter unserer Brand steht, unsere Geschichte versteht, also warum wir vegan sind, warum wir 50% der Profite reinvestieren, warum wir diese Mission verfolgen.“ Deshalb spricht Philip auch nie von ‚Werbung’ auf Snapchat. Wenn überhaupt, gäbe es eine Produktempfehlung aus eigener Überzeugung, da die beiden auch niemanden dafür bezahlen, für sie zu werben.

Die Einhörner haben es verstanden, dass es langweilig wäre, nur Bilder ohne Story auf Snapchat zu posten. Denn ihre Marke haben sie vor allem über das Storytelling aufgebaut. Das besondere an Snapchat ist, dass die Interaktion dort viel ungezwungener verläuft. Der Kanal erwartet aber auch viel von seinen Usern: Unterhaltung und zwar in Form spannender und lustiger Geschichten, mit Blicken hinter die Kulissen, mit Privatem. Natürlich kreativ, echt und ein wenig aus dem Bauch heraus.

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