Google+ Marketing = ?

Google+ Communities, wenn nach "Auto" gesucht wird. Auf Englisch ist mehr los, wie man sieht.

Google+, ein zweites Facebook ohne die eigenen Freunde oder Kunden? Nicht ganz. Zwar sind sich die Netzwerke ähnlich und Facebook hat tatsächlich wesentlich mehr Nutzer, doch durch seinen Fokus auf Communities, Hangouts und nicht zuletzt durch den Einfluss auf die Suchmaschinenoptimierung (SEO) lohnt Google+ doch einen Blick – und auch einen zweiten.

Das oft als „Geisterstadt“ verrissene Netzwerk braucht sich in Sachen Mitglieder nicht hinter anderen Netzwerken zu verstecken – mit Ausnahme von Facebook als unangefochtener Nummer 1. Mit 6,7 Millionen Nutzern in Deutschland hat es schon Twitter und andere soziale Medien überholt, wenn auch nicht alle Nutzer aktiv sind. Der durchschnittliche deutsche Google+ User ist zudem männlich (zu 76%), jung (zu 46% zwischen 18 und 24 Jahren) und eher single (35%) als verheiratet (30%).

Während einem bei Twitter, tumblr, Pinterest und anderen sofort ein Alleinstellungsmerkmal einfällt, scheint Google+ eine wenig interessante Kopie von Facebook zu sein. Bei genauerem Hinsehen hält sich dieser Eindruck allerdings nicht ganz, obwohl fast alle Features, die Google+ zu dem machen, was es ist, eigentlich auch auf Facebook zu finden sind. Sie werden auf den Netzwerken aber anders genutzt. Dazu gehören unter anderem die Communities, die mit Facebooks Gruppen verglichen werden können, oder die Einteilung von Leuten in verschiedene Kreise – auch auf Facebook kann man Freundeslisten anlegen. Google+ erscheint etwas weniger privat als Facebook – in Gruppen wird oft mit Leuten diskutiert, die (zumindest anfangs) nicht in den eigenen Kreisen vertreten sind, wodurch das Netzwerk auch an Foren erinnert und sich stärker nach Interessen organisiert. Gruppen auf Facebook sind oft privater Natur. Auch Facebook versucht allerdings jetzt, mit seinen Offensiven zu Hashtags und embeddable posts, mehr Öffentlichkeit herzustellen. Aber die Hangouts – die Möglichkeit, Videokonferenzen abzuhalten und auch anderen zugänglich zu machen – sind wohl das Feature von Google+, das es am meisten von anderen Netzwerken unterscheidet.

Deutsche Fotocommunities auf Google+

Deutsche Fotocommunities auf Google+

Durch das begrenzte Publikum sollte jedes Unternehmen erst prüfen, ob die eigene Zielgruppe auch tatsächlich auf Google+ vertreten ist – sonst ist wohl jede Marketinganstrengung vergebene Liebesmüh (SEO bietet sich, wie unten beschrieben, allerdings immer an). Wenn dem aber so ist, und beispielsweise eine oder sogar mehrere aktive Communities zum Thema oder dem eigenen Produkt passen und einige Influencer der Branche vertreten sind, dann kann auf Google+ durchaus Marketing betrieben werden.

 

Mit Inhalten punkten

Das Stichwort auf Google+ heißt – wie fast überall – Content Marketing. Alles muss über die Inhalte geschehen, da Anzeigen auf Google+ wesentlich weniger verbreitet ist als auf Facebook. Seiten können über AdWords beworben werden, doch diese Werbung wird nicht im Netzwerk angezeigt sondern auf anderen Google Kanälen.

Wer als Marke auf Google+ aktiv ist, um mit Kunden in Kontakt zu treten, tut auf jeden Fall gut daran zu glauben, dass wenige, interessierte Fans einer Marke besser sind und sich eine Beziehung zu ihnen zu pflegen lohnt, anstatt heimlich auf den Durchbruch mit +500.000 oder ähnlich vielen Followern zu hoffen – Interaktionen sind auf Google+  sparsamer vertreten als auf Facebook. So haben die beliebtesten Marken auf Google+ – das Computerspiel Angry Birds sowie Android – über 4 Millionen Einkreisungen, während auf Facebook einige Marken in den hohen zweistelligen Millionenbereich kommen. Spitzenreiter ist „Facebook for every phone“ mit fast 280 Mio. Likes und großem Abstand.

Für Content Marketing der besten Art bieten die Communities Raum, in denen auch Marken (oder Repräsentanten der Marken, wie Social Media Manager, mit dem privaten Profil) posten können. Dabei sollte auf ein authentisches, menschliches Auftreten Wert gelegt werden: Interesse am Thema und den stattfindenden Diskussionen zu zeigen ist selbstverständlich, eigener Content sollte auf jeden Fall zu Thema, Stil und den ungeschriebenen Regeln der Gruppe passen – einige Zeit mitlesen heißt hier die Devise. So sind Communities außerdem ein fruchtbarer Boden, um Social Media Monitoring zu betreiben und zu schauen, wie die Marke unter Leuten, die an der Branche Interesse haben, angesehen wird. Besonders nützlich dürfte dies für nicht auf die DACH-Region beschränkte Firmen sein, da viel Aktivität auf Google+ im Bereich der Communities auf Englisch stattfindet. Natürlich können auch Marken eigene Communities gründen – vorher abzuschätzen, ob dafür genügend Interessenten auf Google+ vertreten sind, könnte dabei allerdings eine Herausforderung sein.

Google+ Communities, wenn nach "Auto" gesucht wird. Auf Englisch ist mehr los, wie man sieht.

Google+ Communities, wenn nach „Auto“ gesucht wird. Auf Englisch ist mehr los, wie man sieht.

Außerdem bieten die Hangouts und besonders Hangouts on Air die Möglichkeit, mit den Fans Videokonferenzen abzuhalten – neben Kundenservice können hier auch Blicke hinter die Kulissen gut ankommen, wie eine Kampagne von Topshop zur London Fashion Week beweist: Mit 300.000 neuen Followern in 2 Wochen ist der englischen Marke das Wunder geglückt, neben Qualität tatsächlich auch eine gewisse Quantität zu erreichen. Auch Diskussionen zu den verschiedensten Themen sind denkbar.

 

Google+ und SEO

Auch wenn die Frage der Kausalität zwischen Social Signals (also vielen Likes bzw. +1’s) und einem guten Ranking nicht abschließend geklärt ist, besteht doch eine starke Korrelation zwischen beiden. Eine der größten Vorteile, die Google+ einem Unternehmen bietet, hat daher weniger mit Social Media an sich zu tun, und dafür mehr mit dem Suchmaschinengiganten im Hintergrund: Google+-Seiten sind SEO-relevant, eine ordentliche, aktive Google+ Seite mit Verbindung zur eigenen Website kann sich sehr positiv auf die Suchmaschinen-Optimierung auswirken. Konkrete Tipps zur (meist) schnellen Verbesserung des SEOs gibt es beim Social Media Examiner: Dazu gehören beispielsweise der Google Author Tag und ein ausgefülltes Profil, die in der Google-Suche durchaus einen Unterschied ausmachen können.

Neben den oben genannten Tipps gibt es noch weitere, langfristigere Wege, in denen ein Google+ Profil dem eigenen Marketing auf die Sprünge hilft: Diese sind sogar oft noch nachhaltiger und erfolgsversprechender. Durch Soziale Signale können die Suchergebnisse optimal personalisiert werden, so dass Artikel von eingekreisten Autoren dem Suchenden höher angezeigt werden. +1 helfen also auch. Noch besser sind aktive Beziehungen zu Influencern im eigenen Gebiet – wer sich als Experte etabliert und von Profilen mit hohem PageRank erwähnt wird, steigert den eigenen PageRank. Auch Verlinkungen, die ja auch zur eigenen Website oder dem Blog gehen können, tragen zu einem besseren Ranking bei. Google+ Profile können über die Suche gefunden und entsprechend selber durch SEO gefördert werden – aktive Kontakte zu Influencern der eigenen Branche können auch dabei wieder behilflich sein.

Google+ – das laut einem der Gründer eigentlich gar kein Soziales Netzwerk sein soll – bietet also Marken und Unternehmen, die ihre Zielgruppe dort wiederfinden, auch aus der Content Marketing Perspektive einige Möglichkeiten. Für alle anderen heißt es – Google+ SEO, das macht Sinn.

Want to join the discussion?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.