Pinterest Screenshot

Jung und dynamisch, der neue Star am Social Media Himmel! Pinterest hat in letzter Zeit beachtliche Aufmerksamkeit bekommen. Was ist dran am Hype – und welche Möglichkeiten bietet die Plattform für Unternehmen?

Die Idee

Pinterest, das Sammelalbum der sozialen Netzwerke, beruht auf dem Erstellen vieler verschiedener Bildersammlungen: Dabei können die Bilder, Pins genannt, vom Nutzer selbst hochgeladen, auf Pinterest gesucht und dann „re-pinnt“ oder von anderen Websites gepinnt werden. Beliebte Kategorien sind natürlich solche, die sich fotografisch schön umsetzen lassen, wie Essen und Rezepte, das Zuhause, Hochzeiten, Mode oder Reisen. Bis hierhin ist das Netzwerk eine persönliche Angelegenheit – die eigenen Boards und Pins sind ganz nach dem eigenen Geschmack angelegt. Doch Pinterest trägt den Namen soziales Netzwerk nicht zu Unrecht: Man kann sowohl anderen Nutzern (auch Markenaccounts) als auch nur einzelnen Boards Anderer folgen, und erhält dadurch auf der Startseite einen ständigen Fluss interessanter und ästhetisch ansprechender Bilder, die auch gleich weiter an eigene Boards gepinnt werden können. Dabei wird auch angezeigt, von wem der Pin re-pinnt wurde, so dass ein erlebbares Netzwerk entsteht. Die Benutzeroberfläche stellt die Bilder in den Vordergrund, sie hat neulich erst ein Make-over erfahren und wird ständig weiterentwickelt. Seit Kurzem wird auch die Möglichkeit geboten, weitergehende Informationen über die Bilder, wie Rezepte oder Produktinformationen, direkt an die Pins zu hängen, anstatt nur den Link zur Website anzubieten.

 

Pinterest Screenshot

Screenshot von Pinterest (Kategorie Food & Drink)

 

Das Potenzial

Als Unternehmen können auf sozialen Netzwerken verschiedene Ziele verfolgt werden: Gewinnung von Kunden, Imagepflege und Kundensupport sind im Allgemeinen die wichtigsten davon. Pinterest eignet sich dabei besonders für die Imagepflege und für die Gewinnung von Kunden. Durch das mit der eigenen Website verknüpfte Unternehmensprofil kann man die Interaktion der Pinterest-User mit den eigenen Inhalten verfolgen.

Die Analyse-Tools des Unternehmensprofils können einige Einblicke nicht nur in die Vorlieben der Fans, sondern auch in die Assoziationen mit der Marke liefern. Man kann unter anderem verfolgen, welche Inhalte von Website und Profil geteilt und wie diese dann organisiert und verbreitet werden. Neben den Statistiken („Wie viele Repins, Impressionen und Klicks habe ich?“ „Welche Pins sind beliebt?“) bietet Pinterest aber den großen Vorteil, dass auch inhaltlich etwas über die Nutzer in ihrer Gesamtheit gelernt werden kann: Durch den Kontext, in dem die eigenen Pins üblicherweise auftauchen, können beispielsweise andere Interessen der eigenen Kunden entdeckt werden, welche Wettbewerber häufig auftauchen, und allgemeine Assoziationen mit der Marke oder einem bestimmten Produkt. So können Ideen für neue Marketingkonzepte entstehen, entweder auf Pinterest oder auch in anderen On- oder Offline-Medien.

Pinterest zieht besonders konsumfreudige Fans an. Fantasie-Shopping und Wunschlisten sind nur zwei der vielen Nutzungsmöglichkeiten von Pinterest, aber sie sind dort sicher prominenter vertreten als auf Facebook, Twitter und Co. Solche Nutzer kommen oft mit der Absicht, Markenprodukte an ihre Boards zu pinnen – zumindest in Amerika ist die Bereitschaft auf Pinterest, sich mit einer Marke zu identifizieren oder damit zu interagieren, wesentlich höher als auf Facebook. Preisauszeichnungen an einem Pin erhöhen sogar die Anzahl der Likes. Tatsächlich sind wohl etwa 70% des Engagements mit Marken auf Pinterest vom Nutzer initiiert – Umgebung und Nutzungsweise von Pinterest sind also sehr markenfreundlich, so dass das eigene Image dort gut gestärkt und, durch Repins, verbreitet werden kann. Ins Bild passt, dass Pinterest, obwohl bei Conversions nicht das wichtigste Netzwerk, Nutzer schickt, die bei einem Einkauf doppelt so viel Geld ausgeben als solche, die von Facebook kamen. Noch ist ein direktes Einbinden eines Shops auf Pinterest aufgrund einer fehlenden API nicht möglich – laut Beobachtungen von Techcrunch könnte aber eine API im Anmarsch sein. Konzeptionelles Marketing und Referrals werden bis zur Einführung einer API die Stärken des Netzwerks bleiben, danach ist auch Shopping im Netzwerk – wie etwa auf Tumblr oder The Fancy – denkbar.

Da es sehr auf Bilder fokussiert ist, bietet Pinterest natürlich für manche Unternehmen mehr Chancen als für andere. Doch mit ein bisschen Kreativität lassen sich die Vorteile des Kanals auch nutzen, wenn man nicht aus den beliebtesten Branchen kommt: So zeigt Mashable Beispiele, wie auch eine Hilfsorganisation, ein Kriegsjournalist oder ein Autohersteller Pinterest nutzen.

Der Kundensupport nimmt auf Pinterest eine eher untergeordnete Bedeutung ein. Natürlich können Pins auch kommentiert werden, doch das eigene Produkt soll ja zum Objekt der Begierde werden. Kommentare über Fehlfunktionen oder Probleme sind da eher störend, weswegen Pinterest möglichst nicht für diesen Zweck genutzt werden sollte.

Die Zielgruppe

Ein besonderes Merkmal von Pinterest ist die Tatsache, dass, einer amerikanischen Studie zufolge, fünfmal so viele Frauen auf Pinterest sind wie Männer. Dies ist der größte Unterschied in einem einzelnen Netzwerk. Darüber hinaus sind die Nutzer tendenziell gebildet, über 20 und eher wohlhabend. Besonders letzteres ist natürlich eine gute Voraussetzung, um über eine Marketingstrategie auch Umsatz zu generieren. Hieraus ergibt sich die Schlussfolgerung, dass besonders Unternehmen, die diese Zielgruppe ansprechen, mit einer Präsenz auf Pinterest ihr Marketingkonzept wesentlich unterstützen können.

 

Die Aussichten

Pinterest ist bis jetzt in den USA noch wesentlich weiter verbreitet als in Deutschland. Doch da Pinterest jüngst angefangen hat, die Benutzeroberfläche für verschiedene Länder zu lokalisieren und dadurch neue Nutzer außerhalb der USA zu gewinnen, sollte man das Netzwerk im Auge behalten: Vorreiter bei diesen Bemühungen ist Großbritannien, danach soll Frankreich folgen. Europa scheint Mittelpunkt dieser Entwicklung, und so kann man erwarten, dass auch Deutschland ein interessanter Markt ist. Die Lokalisierungsanstrengungen werden zudem von Werbekampagnen begleitet. Die deutsche Userbase bietet ein großes Wachstumspotenzial, wodurch Pinterest immer attraktiver als Marketingumgebung wird.

Ein weiteres Problem bei der Entwicklung von Pinterest und seiner fortdauernden Relevanz ist die Entwicklung hin zur mobilen Nutzung von Social Media. Pinterest bietet sich hier aufgrund des Navigationsverhaltens nicht so sehr an wie andere Netzwerke: Trotz Verbesserungen ist es noch immer beschwerlicher, auf einem mobilen Gerät zu pinnen als auf einem Computer oder Laptop. Durch die Entwicklungen ist ersichtlich, dass Pinterest dieses Problem erkannt hat und daran arbeitet, was Hoffnung für die Zukunft macht.

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass Pinterest, auch dank der unterschiedlichen Funktionsweisen, kein direkter Rivale des Branchenprimus Facebook ist. Doch durch seine Eigenheiten kann Pinterest auch in Deutschland eine lohnenswerte Plattform für Marketer sein: Das Wachstum des Netzwerks sollte man als Social Media-Verantwortlicher eines Unternehmens unbedingt im Auge behalten, und wenn Branche, Content und Zielgruppe denen von Pinterest entsprechen, kann eine Pinterest-Strategie sich durchaus auch jetzt schon auszahlen. In jedem Fall sollte die Möglichkeit, Bilder von der Website zu pinnen gegeben sein, da jeder Pin das Produkt vermarktet. Auch die Einbindung des Pinterest Accounts in andere Kanäle wie Facebook oder Twitter kann die Umsetzung des Markenimages in Sozialen Medien durch seine visuelle Ausrichtung optimal ergänzen!

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  1. […] in unserem vorherigen Beitrag erklärt, eignet sich Pinterest hervorragend zur Markenkommunikation. Doch nicht nur das – […]

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